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Kunst als Kapitalanlage oder nur Hausrat?

19. Mrz, 2020

Gemäss Steuergesetz unterliegt der Hausrat und persönliche Gebrauchsgegen­stände nicht der Vermögenssteuer und müssen in der Steuererklärung nicht dekla­riert werden. Was aber nicht mehr Hausrat sein soll und was als Kunst be­wertet wird, ist eine schwierige Abgrenzungsfrage.

2012 schuf das Zürcher Verwaltungsgericht mit einem Entscheid eine neue Rechts­un­sicherheit. Es hat in einem Urteil ein Bild von Giovanni Giacometti, das in einer Familie vererbt wurde, neu als Vermögen und nicht als Hausrat bewertet. Das Amt verlangte u.a. Vermögens-Nachsteuer für die Zeit, in der das Bild im Haus­halt an der Wand gehangen hat.

Das Gericht definierte, dass übliche Einrichtungen einer Wohnung, deren Ver­kehrswert CHF 150’000 überschreite, ein steuerbares Vermögen darstelle, un­ab­hängig von der konkreten Nutzung und den finanziellen Verhältnissen des Steuer­pflichtigen.

Zwischen den Kantonen bestehen grosse Unterschiede in der steuerlichen Be­hand­lung von Kunst. Im Kanton Genf sind kunst- und wissenschaftliche Samm­lungen ausdrücklich von der Vermögenssteuer befreit, ausser sie dienen der Spe­kulation. Bezüglich der Erbschaftssteuer befreien die meisten Kantone den Haus­rat, nicht aber der Kanton Zürich.

Auch herrscht Unsicherheit hinsichtlich der Schätzung des Wertes eines Kunst­gegenstandes. Der Versicherungswert wird gerne von den Steuerbehörden als Massstab hinzugezogen. Häufig aber übersteigt der Versicherungswert den Ver­kehrswert, da ersterer die Kosten einer Wiederbeschaffung widerspiegelt. Kunst­ex­perten gehen davon aus, dass der Verkehrswert vieler Kunstwerke deutlich unter dem Versicherungswert liegt. Der Steuerpflichtige könnte also ein Gutachten in Auftrag geben, das beweist, dass der Verkehrswert unter dem Ver­siche­rungswert liegt. Die Steuerbehörde des Kanton Baselland rechnet pauschal mit der Hälfte des Versicherungswertes.

Für Kunstbesitzer empfiehlt es sich, Kunstwerke zu deklarieren. Steuerbehörden in den meisten Kantonen anerkennen, dass Kunst mit einem grossen Un­sicherheitsfaktor behaftet ist.

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