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Missbräuchliche Kündigung trotz Bemühungen des Arbeitgebers

25. Feb, 2015

Der vor das Bundesgericht langende Mitarbeiter war während 35 Jahren gut und loyal als Key-Account-Manager für die Arbeitgeberin tätig.

Innerhalb von fünf Jahren erlitt er zwei Burn-outs, worauf das Unternehmen mit zahlreichen Massnahmen versuchte, den Mitarbeiter wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Da trotz dieser Massnahmen nicht alle Konflikte ausgeräumt werden konnten und die Arbeits­lei­stun­gen nicht gut waren, kündigte die Ar­beit­geberin dem Mitarbeiter und stellte ihn per sofort frei.

Vor Gericht machte der Arbeitnehmer im Wesentlichen geltend, die Kündigung sei missbräuchlich erfolgt. Alle Gerichtsinstanzen bestätigten diese Auffassung.

Das Bundesge­richt anerkannte zwar, dass die Arbeitgeberin nicht untätig geblieben war und aktiv versucht hatte, die Konflikte zu beheben und das Stresspotenzial zu verringern. Die Fürsorgepflicht sei aber bei älteren Ar­beitnehmern mit langer Beschäftigungsdauer erweitert. Die Arbeitgeberin habe nie klar signalisiert, dass für sie die gerügten Mängel einen Schwere­grad aufweisen würden, der bei Nichtbehebung eine Auflösung des Arbeitsver­hält­nisses nach sich ziehen würde. Vor der Kündigung wäre die Arbeitgeberin daher gehalten gewesen, den Ar­beit­nehmer in einem Gespräch nachdrücklich auf die Folgen seiner Unterlassungen hinzu­wie­sen und ihm mit Fristansetzung und Ziel­ver­einbarung eine letzte Chance einzuräumen, seiner Arbeits­pflicht in genü­gen­dem Masse nachzukommen. (Quelle: BGE 4A_384/2014 vom 12.11.2014)

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