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Persönliche Haftung des Verwaltungsrats bei Darlehensvergabe

4. Jun, 2014

Verwaltungsräte müssen die finanzielle Situation der geführten Unternehmen je­der­zeit kennen und kontrollieren. Dies gilt insbesondere auch für Tochter­ge­sell­schaften. Cash-Verschiebungen innerhalb von Holding-Strukturen, die ohne vertragliche Grundlage erfolgen, sind für Verwaltungsräte mit grossen Risiken verbunden. Vor allem die Gewährung ungesicherter Darlehen stellt eine Sorg­faltspflichtverletzung dar, wenn keine Aussicht auf Rückzahlung besteht.

Im konkreten Fall gewährte eine Holding ihrer Tochtergesellschaft ein un­ge­sichertes Darlehen, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon überschuldet war. In der Folge ging die Tochtergesellschaft Konkurs, was auch zum Konkurs der Hol­ding führte.

Die Gläubiger gingen gegen den VR-Präsidenten und Delegierten des Ver­wal­tungs­rats vor mit dem Argument, dass der Schaden eine direkt Folge der Pflichtverletzung des VRs sei. Der VR hätte wissen müssen, dass die Toch­ter­ge­sellschaft überschuldet war.

Das Bundesgericht bestätigte ein Urteil des Handelsgerichts Aarau, das den VR-Präsidenten zur Bezahlung von 1.0 Mio. Franken wegen Pflichtverletzung ver­ur­teilte.

Das Bundesgericht führte in seinem Urteil aus, dass der Verwaltungsrat

–        Jahresabschlüsse hinterfragen muss, auch wenn sie revidiert sind

–        eine prekäre finanzielle Situation nicht nur dann erkennen muss, wenn eine Bilanz darüber Aufschluss gibt, sondern auch andere Alarmzeichen beachten muss

–        stille Reserven bei der Beurteilung der Überschuldung nicht berücksichtigen darf. (Quelle: Dr. U. Egli, epartners Rechtsanwälte AG, Zürich)

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